Kapazitätsmarkt startet: BNetzA schreibt erste 4,5 GW aus

Gaskraftwerk mit Schaltanlage und Hochspannungsleitungen als gesicherte Leistung im Kapazitätsmarkt
Die Bundesnetzagentur hat die erste Kapazitätsmarkt-Auktion nach dem StromVKG gestartet: 4,5 GW, Gebotsfrist 8. September. Was das für Strompreise und Flexibilitäts-Strategien von KMU und Industrie bedeutet.

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  • Die Bundesnetzagentur hat am 21. Juli 2026 die erste Kapazitätsmarkt-Auktion nach dem StromVKG gestartet – Gebotsfrist ist der 8. September 2026.
  • Ausgeschrieben werden 4,5 Gigawatt reduzierte Leistung; noch 2026 folgt eine zweite Runde, insgesamt sind 9 Gigawatt geplant.
  • Bezuschlagte Betreiber halten ihre Leistung 15 Jahre vor und erhalten eine jährliche Vergütung – der Höchstpreis liegt bei 244.000 Euro je Megawatt und Jahr.
  • Die Kosten der Kapazitätszahlungen dürften mittelfristig in die Strompreise einfließen – Unternehmen sollten ihre Beschaffungsstrategie jetzt überprüfen.
  • Ab den Auktionsrunden 2027 und 2029 können auch regelbare Lasten teilnehmen – Flexibilität wird für Industrie und KMU zum vermarktbaren Wert.

Der neue Kapazitätsmarkt ist keine Ankündigung mehr, sondern Realität: Am 21. Juli 2026 hat die Bundesnetzagentur die erste Ausschreibung nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) gestartet. Nur wenige Tage zuvor hatten Bundestag (9. Juli) und Bundesrat (10. Juli) das Gesetz beschlossen – wir haben über die Eckpunkte des StromVKG bereits berichtet. Jetzt beginnt die operative Phase, und die Fristen sind eng: Gebote müssen bis zum 8. September 2026 elektronisch eingereicht werden.

4,5 Gigawatt bis September: So funktioniert die erste Auktion

Ausgeschrieben werden 4,5 Gigawatt sogenannte reduzierte Leistung – also der tatsächliche Beitrag einer Anlage zur Versorgungssicherheit. Teilnehmen können Erzeugungsanlagen, die auch längere Phasen mit geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien überbrücken und technische Anforderungen wie die Bereitstellung der Momentanreserve erfüllen. Wer einen Zuschlag erhält, verpflichtet sich, die Leistung 15 Jahre vorzuhalten, und bekommt dafür eine jährliche Vergütung, die im Wettbewerb ermittelt wird. Der Höchstpreis liegt bei 244.000 Euro je Megawatt und Jahr. Eine regionale Steuerung bevorzugt Projekte im netztechnischen Süden, sobald ein Drittel des Volumens auf den Norden entfällt. Die Zuschläge sollen bis zum 3. November 2026 veröffentlicht werden; noch im selben Jahr folgt die zweite Runde über weitere 4,5 Gigawatt mit Gebotstermin am 29. Dezember. Insgesamt sollen die neuen Kapazitäten ab 2031 gesicherte Leistung liefern.

Was der Kapazitätsmarkt für KMU, Industrie und Kommunen bedeutet

Für Stromverbraucher ist die Auktion zunächst eine gute Nachricht: Deutschland sichert systematisch Backup-Kapazitäten für Dunkelflauten ab – Versorgungssicherheit bleibt damit ein kalkulierbarer Standortfaktor. Nach unserer Einschätzung werden die Kapazitätszahlungen jedoch mittelfristig in die Strompreise einfließen, sei es über Umlagen oder Beschaffungskosten der Versorger. Energieintensive Unternehmen sollten diesen Kostenblock in ihrer langfristigen Energiebeschaffung bereits heute berücksichtigen. Interessant ist der Blick nach vorn: In den Auktionsrunden 2027 und 2029 sollen neben Erzeugern auch regelbare Lasten teilnehmen können. Wer seinen Verbrauch gezielt verschieben kann – etwa durch Lastspitzenkappung, Speicher oder flexible Produktionsprozesse – verwandelt Flexibilität damit perspektivisch in eine Erlösquelle. Unsere qualifizierten Energieberater sehen hier gerade für den industriellen Mittelstand einen strategischen Hebel, der in vielen Lastprofilen noch ungenutzt ist.

Der Fahrplan ist ambitioniert: Sollten die 9 Gigawatt der beiden ersten Runden nicht vollständig bezuschlagt werden, ist ein dritter Gebotstermin am 18. Mai 2027 vorgesehen, zu dem zusätzlich 2 Gigawatt technologieoffen ausgeschrieben werden sollen. Entscheider sollten die Auktionsergebnisse im November aufmerksam verfolgen – sie liefern erstmals einen Marktpreis für gesicherte Leistung und damit ein wichtiges Signal für die Strompreisentwicklung der kommenden Jahre. Wer jetzt Lastgänge analysiert und Flexibilitätspotenziale bewertet, verschafft sich einen Vorsprung für die Teilnahmefenster ab 2027.

Quellen & weiterführende Informationen

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