EU-Elektrifizierungsplan: Strompreise runter, Elektrifizierung rauf

Industriegebäude mit Photovoltaikanlage, Trafostation und Ladesäulen als Beispiel für Elektrifizierung im Mittelstand
Die EU-Kommission erklärt hohe Strompreise erstmals offiziell zum Elektrifizierungs-Hemmnis. Wir analysieren, was Preisverhältnis-Ziele, Steuerreform und Netzentgelt-Pläne für Investitionsentscheidungen in KMU bedeuten.

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  • Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 den Electrification Action Plan vorgestellt und erkennt hohe Strompreise erstmals offiziell als zentrales Hemmnis der Elektrifizierung an.
  • Das Preisverhältnis von Strom zu Gas soll bis 2030 auf höchstens 2,5:1 für Haushalte und 2:1 für die Industrie begrenzt werden.
  • Strom soll künftig nicht höher besteuert werden dürfen als Gas – in Deutschland liegt die Stromsteuer derzeit beim 3,7-Fachen der Gassteuer.
  • Mitgliedstaaten sollen Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen und Steuern für energieintensive Unternehmen senken können.
  • Geprüft wird ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent des Endenergieverbrauchs bis 2040 – heute stagniert die Quote bei 23 Prozent.

Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 ihren Electrification Action Plan vorgestellt – und vollzieht damit einen bemerkenswerten Perspektivwechsel: Elektrifizierung wird nicht mehr primär als Klimathema gerahmt, sondern als Frage von Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssouveränität. Rund 70 Prozent des in der EU erzeugten Stroms stammen bereits aus heimischen sauberen Quellen, der Ausbau der erneuerbaren Energien liefert also. Die Nachfrageseite hinkt hinterher: Der Elektrifizierungsgrad des Endenergieverbrauchs stagniert seit rund zehn Jahren bei 23 Prozent.

Strom maximal doppelt so teuer wie Gas – das Kernziel für die Industrie

Der Plan benennt die Ursachen ungewohnt deutlich: hohe Strompreise im Vergleich zu Gas, lange Wartezeiten bei Netzanschlüssen und fehlende Umstiegsanreize für Unternehmen. Als Antwort schlägt die Kommission vor, das Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen bis 2030 auf höchstens 2,5:1 für Privathaushalte und 2:1 für die Industrie zu begrenzen. Zudem soll der Energiesteuersatz auf Strom künftig nicht über dem auf Gas liegen dürfen – für Deutschland ein weiter Weg, denn hier steht die Stromsteuer von 2,05 Cent pro Kilowattstunde einer Gassteuer von 0,55 Cent gegenüber. Mitgliedstaaten sollen außerdem Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen und Steuern für energieintensive Unternehmen senken können. Geprüft wird ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040; parallel legte die Kommission Reformvorschläge zum Emissionshandel vor, die Industrie soll unter anderem über eine mit 100 Milliarden Euro ausgestattete Dekarbonisierungsbank unterstützt werden.

Einordnung: Die Wirtschaftlichkeitsrechnung kippt Richtung Strom

Aus unserer Sicht ist der Plan für Entscheider vor allem ein Signal für Investitionsrechnungen: Wer heute über Heiztechnik, Prozesswärme oder Fuhrpark entscheidet, kalkuliert mit dem aktuellen Strom-Gas-Preisverhältnis – genau diese Größe will Brüssel nun politisch steuern. Schon heute zeigt der Kostenvergleich zwischen Wärmepumpe und Gasheizung, wie sensibel solche Entscheidungen auf das Preisverhältnis reagieren. Sinken Steuern und Abgaben auf Strom wie geplant, verschieben sich Amortisationszeiten strombasierter Technologien spürbar. Besonders relevant für die Industrie: Der Effizienzverband DENEFF beziffert das Einsparpotenzial effizienter Prozesswärme in Deutschland auf bis zu 29 Milliarden Euro jährlich – Elektrifizierung und Effizienz gehören also zusammen gedacht.

Der Ausblick: Ein verbindliches Elektrifizierungsziel will die Kommission im vierten Quartal 2026 im Energy-Union-Paket vorschlagen, ein eigener Aktionsplan für Heizen und Kühlen ist angekündigt. Bis die Maßnahmen in nationales Recht übersetzt sind, vergehen Monate – die Richtung ist jedoch gesetzt. Unternehmen, die jetzt ihren Energieeinkauf und ihre Technologiepfade überprüfen, verschaffen sich einen Planungsvorsprung. Eine qualifizierte Energieberatung übersetzt die Brüsseler Zielwerte in konkrete Zahlen für den eigenen Standort.

Quellen & weiterführende Informationen

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