- Ein Klinikbett verbraucht Energie wie bis zu vier Einfamilienhäuser
- Rund 40 % Strom und 30 % Wärme gelten als einsparbar
- DGKH-Leitlinie erlaubt vollständige Abschaltung der OP-Lüftung
- Nachlaufzeit von etwa 30 Minuten reicht hygienisch aus
- Ohne dauerhaftes Monitoring verpuffen erreichte Einsparungen
Ein einziges Krankenhausbett verbraucht so viel Energie wie bis zu vier Einfamilienhäuser. Die Stiftung viamedica errechnete rund 6.000 Kilowattstunden Strom und 29.000 Kilowattstunden Wärme pro Bett und Jahr. Der Grund liegt in der Natur des Betriebs: Kliniken arbeiten rund um die Uhr, mit hohen Hygieneanforderungen und ausfallsicher ausgelegter Technik. Genau darin liegt aber auch der Hebel. Wo Anlagen 8.760 Stunden im Jahr laufen, schlägt jede Stunde unnötiger Volllast unmittelbar auf die Betriebskosten durch – und jede korrigierte Betriebszeit ebenso. Für die technische Gebäudeausrüstung im Krankenhaus heißt das: Der größte Kostenblock ist zugleich der größte Ansatzpunkt.
Hebel 1: Eine Lüftung, die dem Betrieb folgt – nicht der Uhr
Die hohen Luftwechselraten in Kliniken erzeugen einen erheblichen Energiebedarf allein für die Bewegung der Luft. Der hessische Leitfaden für Gesundheitseinrichtungen benennt den naheliegenden Ansatz: Der mittlere Luftwechsel sinkt, wenn die Lüftung an den tatsächlichen Bedarf angepasst wird. In der Praxis scheitert das selten an der Technik, sondern an der Sorge um die Hygiene.
Diese Sorge hat die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene entkräftet. Ihre Leitlinie für raumlufttechnische Anlagen im Gesundheitswesen hält abweichend von der DIN 1946-4 fest, dass selbst für OP-Räume eine vollständige Anlagenabschaltung hygienisch vertretbar ist. Nach Betriebsende und dem Schließen aller Türen genügt eine Nachlaufzeit von etwa 30 Minuten. Entscheidend sind zwei Bedingungen: Der rechtzeitige Neustart muss sicher gestellt sein – etwa durch Kopplung an das Einschalten des Lichts – und die Freispülzeit ist für jeden OP über Qualifizierungsmessungen zu ermitteln. Einzelne Notfallräume bleiben durchgängig versorgt. Damit wird aus einer hygienischen Grundsatzfrage eine Aufgabe der Regelungstechnik.
Hebel 2 und 3: Wärme regeln, Ergebnisse dauerhaft sichern
Der zweite Hebel liegt in der Wärme, die den Energieeinsatz in Kliniken dominiert. viamedica hielt rund 40 Prozent des Strom- und 30 Prozent des Wärmebedarfs für einsparbar. Ein großes Klinikum mit elf Millionen Euro Energie- und Wasserkosten könnte allein daraus über drei Millionen Euro jährlich heben. Wärmerückgewinnung, abgestimmte Vorlauftemperaturen und eine saubere hydraulische Regelung wirken hier stärker als jeder Anlagentausch – vorausgesetzt, die Planung der Gebäudetechnik denkt Erzeugung, Verteilung und Steuerung zusammen.
Der dritte Hebel ist der unauffälligste und zugleich der nachhaltigste: die dauerhafte Überwachung. Einsparungen verflüchtigen sich, wenn Sollwerte nach einer Störung nicht zurückgesetzt, Betriebszeiten stillschweigend verlängert oder Umbauten nicht in der Regelung nachgeführt werden. Belastbare Messkonzepte und regelmäßige Auswertung machen solche Abweichungen sichtbar, bevor sie ein Jahr lang Geld kosten. Dass sich der Aufwand rechnet, zeigen dokumentierte Beispiele wie der Pumpentausch am Klinikum Ludwigshafen.
Für Träger und technische Leitungen folgt daraus eine klare Reihenfolge: erst die Betriebszeiten und Sollwerte der vorhandenen Anlagen prüfen, dann die Regelung ertüchtigen, erst danach über Ersatzinvestitionen entscheiden. Wer diese Reihenfolge umdreht, finanziert neue Technik, die im alten Fahrplan läuft. Unser Ingenieurteam begleitet Kliniken deshalb nicht nur bei der Planung, sondern auch im laufenden Betrieb – von der Bestandsanalyse über die Steuerungsplanung bis zum monatlichen Reporting, einschließlich der passenden Energieberatung und Fördermittelprüfung.
Quellen & weiterführende Informationen
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