Vom Stadion lernen: Wenn die Last von null auf Megawatt springt – Bestandsgebäude mit Gebäudeautomation und ISO 50001 im Griff

Fachplaner mit Tablet am Beckenrand einer Schwimmhalle, Blick zur Lüftungstechnik unter der Decke
Der Signal Iduna Park zeigt, wie ein Bestandsbau von 1974 mit Gebäudeautomation und ISO-50001-Energiemanagement beherrschbar wird. Schwimmhallen, Hörsäle und Kliniken haben dasselbe Lastprofil. Wo die Hebel liegen – und welche Pflicht 2029 greift.

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  • Lastsprünge von null auf Megawatt fordern Bestandsgebäude besonders
  • Automationsklasse C auf A: theoretisch bis 30 Prozent weniger Wärme
  • ISO 50001 verlangt genau die Daten, die Gebäudeautomation liefert
  • GModG: Monitoringpflicht ab 70 kW bis Ende 2029
  • Gebäudeautomation ist über die BEG förderfähig

Borussia Dortmund hat am 4. September 2026 den Technologiekonzern ABB zum „Energy Management Partner“ gemacht. Der Signal Iduna Park soll zum Vorzeigeprojekt für Energiemanagement, Elektrifizierung und Gebäudeautomation werden. Interessant für Entscheider ist dabei nicht der Fußball, sondern der Gebäudetyp: ein 1974 eröffneter Bestandsbau, dessen Technik über Jahrzehnte gewachsen ist. An Spieltagen steigt der Energiebedarf binnen Stunden von nahe null auf mehrere Megawatt, während der Betrieb ohne Unterbrechung laufen muss. Genau dieses Lastprofil kennen auch Schwimmhallen, Hörsaal- und Laborgebäude, Kongresszentren und Klinik-Funktionsbauten.

Lastsprünge sind selten ein Anlagenproblem – meist ein Regelungsproblem

In Gebäuden mit stark schwankender Belegung entstehen die höchsten Verluste dort, wo die Technik den tatsächlichen Bedarf nicht kennt: Lüftungsanlagen laufen in leeren Hallen auf Nennleistung, Heizung und Kälte arbeiten gegeneinander, Betriebszeiten stammen aus einer Nutzung, die es so nicht mehr gibt. Die europäische Normenreihe DIN EN 15232 beziehungsweise ISO 52120 ordnet Gebäudeautomation vier Effizienzklassen zu: Klasse C – Schaltuhren, Thermostatventile, kein Energiemonitoring – gilt als Standard und dient als Referenz. Klasse A umfasst Raumautomation mit automatischer Bedarfserfassung, vernetzte und optimierte Anlagen sowie technisches Gebäudemonitoring. Für Bürogebäude weist die Deutsche Energie-Agentur (dena) den Sprung von Klasse C auf A mit theoretischen Einsparpotenzialen von bis zu 30 Prozent thermischer und 13 Prozent elektrischer Energie aus. Die dena selbst dämpft die Erwartung: Durch Prebound- und Reboundeffekte sowie Fehlbedienung weichen reale Einsparungen ab. Belastbar wird die Zahl erst, wenn ein tragfähiges Messkonzept den Ausgangszustand dokumentiert. Bemerkenswert am Dortmunder Projekt ist deshalb weniger die Technik als der Ansatz: eine offene Architektur, die sich in die vorhandenen Systeme einfügt, statt einen teuren Umbau zu erzwingen.

Was die ISO 50001 fordert, liefert die Automation ohnehin

Das Stadion betreibt ein nach ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagementsystem. Die Norm verlangt eine energetische Ausgangsbasis, Energieleistungskennzahlen und einen Plan für die Energiedatensammlung – also genau die Messwerte, die eine Gebäudeautomation im laufenden Betrieb erzeugt. Wer beides getrennt aufbaut, zahlt doppelt: einmal für Sensorik, einmal für manuelle Datenerhebung im Audit. Regulatorisch läuft die Entwicklung ohnehin in diese Richtung. Nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz brauchen Nichtwohngebäude mit Heizungs-, Klima- oder Lüftungsanlagen über 70 Kilowatt Nennleistung bis Ende 2029 Monitoringtechnik und eine automatische Beleuchtungssteuerung – Details dazu in unserem Beitrag zur Monitoringpflicht ab 70 Kilowatt. Hinzu kommt der wirtschaftliche Hebel: Ein bekannter Lastgang ist die Voraussetzung, um Lastspitzen gezielt zu kappen und Speicher oder Eigenerzeugung sinnvoll einzubinden. Maßnahmen der Gebäudeautomation sind zudem über die Bundesförderung für effiziente Gebäude förderfähig; Bewertungsgrundlage ist die DIN V 18599-11.

Für Betreiber komplexer Bestandsgebäude ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge: erst den Bestand und die Belegungsprofile erfassen, dann die Automationsklasse bestimmen, dann investieren – und den Betrieb dauerhaft überwachen, statt die Anlage nach der Inbetriebnahme sich selbst zu überlassen. Unser Ingenieurteam plant Mess-, Steuer- und Regelungstechnik herstellerunabhängig; unsere qualifizierten Fachplaner und Energieberater begleiten den Betrieb anschließend mit Monitoring, Controlling und Reporting. Der Aufwand lohnt sich doppelt: Die Pflicht bis 2029 ist erfüllt, und die Einsparung ist belegt statt geschätzt.

Quellen & weiterführende Informationen

Sie wissen nicht, in welcher Automationsklasse Ihre Gebäude tatsächlich stehen? Unser Ingenieurteam erfasst den Ist-Zustand Ihrer Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, beziffert das Einsparpotenzial anhand Ihrer realen Betriebsdaten und begleitet Sie über die Umsetzung hinaus. Sichern Sie sich jetzt ein kostenfreies Auftaktgespräch.

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