4.500 Euro je Megawattstunde: Was der Netzschock vom 1. September für Ihre Strombeschaffung bedeutet

Mittelspannungs-Schaltanlage mit geöffnetem Schaltfeld in der Trafostation eines Industriebetriebs
Am 1. September stieg der Intraday-Strompreis auf fast 4.000 €/MWh. Wer Spot-Strom kauft, zahlte mit – wer Lasten steuert, profitiert. Drei Prüffragen für Entscheider.

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  • 1. September: 4.200 MW Kraftwerksleistung nach mutmaßlicher Sabotage vom Netz
  • Netzregelverbund mindestens 84 Minuten unterdeckt, Versorgung blieb stabil
  • Intraday-Ausgleichsenergiepreis um 20:45 Uhr bei 3.916 €/MWh (16,7-faches Day-ahead)
  • Spot-Anteil, eigener Bilanzkreis, Direktvermarktung: Preisspitze landet auf der Rechnung
  • Steuerbare Lasten und Lastganganalyse machen Flexibilität zur Erlösquelle

Am Abend des 1. September 2026 ist im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen etwas passiert, das Entscheider in Industrie, Mittelstand und Kommunen aufmerksam lesen sollten – nicht wegen der Ursache, sondern wegen der Wirkung: Nach dem mutmaßlichen Sabotageakt gingen fünf Braunkohleblöcke von RWE mit zusammen 4.200 Megawatt vom Netz, die zu diesem Zeitpunkt rund 3.000 Megawatt einspeisten. Die Versorgung blieb stabil. Die kurzfristigen Strommärkte dagegen zeigten innerhalb einer Stunde, was ein plötzlicher Erzeugungsausfall kostet – und wer diese Rechnung am Ende bezahlt, entscheidet sich am eigenen Lastgang und im Liefervertrag.

84 Minuten Unterdeckung, fast 4.000 Euro pro Megawattstunde

Die veröffentlichten Systemdaten zeichnen ein klares Bild: Kurz vor 20 Uhr fiel die Netzfrequenz auf 49,910 Hertz, der Saldo des deutschen Netzregelverbunds sprang um rund 2.400 Megawatt in die Unterdeckung und blieb dort mindestens 84 Minuten. Im Intraday-Handel wurde die Knappheit ab dem Lieferprodukt 20:30 Uhr sichtbar: Der Intraday-Ausgleichsenergiepreis (ID-AEP) stieg auf 1.340,78 Euro je Megawattstunde, um 20:45 Uhr auf 3.916,26 Euro – das 16,7-Fache des Day-ahead-Preises. Der operative Schätzer für den Ausgleichsenergiepreis lag in dieser Viertelstunde sogar bei 5.066,52 Euro je Megawattstunde. Nach Angaben der Analysten von Montel wurden über längere Zeit rund 60 Prozent der Sekundärregelreserve aktiviert, die Minutenreserve nahezu vollständig – zu Preisen von bis zu 15.000 Euro je Megawattstunde. Über die europäische Marktkopplung war der Effekt auch im Ausland spürbar.

Wichtig für die Einordnung: Kein Kunde hat an diesem Abend Strom verloren. Momentanreserve, Primärregelung, Regelreserve und Intraday-Handel haben das Defizit gestaffelt ausgeglichen – so, wie das System ausgelegt ist. Der Preis für diese Robustheit fiel aber nicht bei allen gleich an.

Wer die Rechnung trägt – und wer daran verdient

Aus Sicht unseres Ingenieurteams ist der 1. September weniger ein Sicherheits- als ein Beschaffungsthema. Unternehmen mit Festpreisvertrag haben von der Preisspitze nichts gespürt. Wer dagegen einen Spot- oder Intraday-Anteil in der Beschaffung hat, einen eigenen Bilanzkreis führt oder Ausgleichsenergiekosten über Vertragsklauseln durchgereicht bekommt, hat für diese anderthalb Stunden ein Vielfaches des üblichen Preises bezahlt. Betreiber von PV- und BHKW-Anlagen in der Direktvermarktung sollten prüfen, wie ihr Vermarkter Prognoseabweichungen abrechnet – auch dort landet Ausgleichsenergie schnell auf der Abrechnung.

Die Kehrseite: Wer steuerbare Lasten besitzt – Kälteanlagen, Pumpen, Lüftung, Speicher, Ladeinfrastruktur – und diese kurzfristig reduzieren oder verschieben kann, war an diesem Abend auf der richtigen Seite des Marktes. Solche Flexibilität ist ohne Mess- und Steuerungstechnik nicht vermarktbar; sie beginnt bei einem sauberen Messkonzept und einer Lastganganalyse, die zeigt, welche Verbraucher wann wie lange entbehrlich sind. Unsere Einschätzung: Mit der neuen Netzentgeltsystematik ab 2029 und dem Kapazitätsmarkt, dessen erste Auktion am 8. September stattfindet, wird genau diese Fähigkeit zur Währung – der 1. September war eine unfreiwillige Generalprobe.

Der Ausblick ist nüchtern: Weitere Störungen sind nicht auszuschließen, und mit steigendem Anteil kurzfristiger Beschaffung wächst das Risiko je Ereignis. Entscheider sollten drei Fragen klären: Wie hoch ist der Spot-Anteil im eigenen Portfolio, und ist er bewusst gewählt? Welche Klauseln zu Ausgleichsenergie und Prognoseabweichung stehen im Vertrag? Und welche Lasten ließen sich mit überschaubarem Aufwand steuerbar machen? Eine strukturierte Energiebeschaffung mit Tranchen und Festpreisanteilen begrenzt das Risiko, ohne die Chancen des Kurzfristmarkts aufzugeben. Qualifizierte Energieberatung hilft dabei, den richtigen Mix aus Preissicherheit und Flexibilität für den eigenen Standort zu finden.

Quellen & weiterführende Informationen

Wie viel Spot-Risiko steckt in Ihrem Stromvertrag – und welche Ihrer Lasten ließen sich zu Geld machen? Unser Ingenieurteam rechnet beides auf Basis Ihrer realen Lastgänge durch und begleitet Sie dauerhaft mit Monitoring und Beschaffungs-Controlling. Jetzt kostenfreies Auftaktgespräch sichern – bevor die nächste Knappheitsstunde kommt.

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